Architektur im Grenzland

Die faszinierende Architektur in Møgeltønder, die die Schloßstraße zur schönsten Dorfstraße Dänemarks macht, übte bereits früher eine ganz besondere Anziehungskraft aus: vor etwa hundert Jahren wurde sie sogar zum Vorbild für den Baustil des ganzen Landesteils Schleswig.

 

Eine neue Generation von Architekten und die schleswig-holsteinische Heimatschutzbewegung wünschten sich damals statt der bis dahin üblichen historischen und modernen Baustile eine Rückbesinnung auf heimische Traditionen. Mit den alten heimischen Bauweisen als Vorbild entstand die „Heimatschutzarchitektur“, die ab 1910 ihre Blütezeit erlebte. Im Laufe weniger Jahre wurde die gesamte öffentliche und private Bautätigkeit im Landesteil von dem Versuch bestimmt, einen südjütischen Ton zu treffen – und wurde dabei vor allem vom westschleswigschen Stil inspiriert, wie er in Møgeltønder vorherrschte. Besondere Berühmtheit in der Gestaltung der Heimatschutzarchitektur erlangte der 1907 gegrün­dete Verein „Baupflege Kreis Tondern“. Mit dem alten Amtshaus am Jomfrustien befindet sich in Tønder auch eines der eindrucksvollsten Bauwerke dieses Stils.

 

Nach der Grenzziehung 1920 fand sich dieser Baustil vorwiegend nur noch südlich der Grenze wieder und inspirierte dort auch die weitere architektonische Entwicklung. In Dänemark wandte man sich derweil insbesondere der„Bessere Bauweise“-Bewegung zu und baute in dänisch-südjütischer Tradition. Diese „nationale“ Individualität der Architektur beiderseits der Grenze hielt sich nur bis 1945. Seitdem dominiert hier wie dort der internationale Modernismus.

 

Peter Dragsbo, Museet på Sønderborg Slot. Tekst til projektet Grænseruten 2004





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