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Reisetipps 

Brauner Text: Geschichte(n)
Blauer Text: Nord-Ostsee-Radweg



Højer Rudbøl

 

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 Vidå Sluse, Højer Sluse

 

Typisch Westküste. Am weiten Himmel treibt die fast stetig aus Westen wehende Brise die Wolken vor sich her. Die frische, salzige Nordseeluft belebt die Sinne. Massive Deiche scheinen sich über den ganzen Horizont zu erstrecken und ein imposantes Bauwerk beherrscht die Szene: hier, an der Wiedau-Schleuse (Vidå-Slusen), befindet sich der westliche Start- und Endpunkt der Grenzroute.

Dänemarks drittgrößter Wasserlauf, die Wiedau (Vidå), wird an der 1980 eingeweihten Schleuse durch den Nordseedeich ins Wattenmeer entlassen. Von der Deichkrone bietet sich ein herrlicher Ausblick bis nach Sylt und Rømø. Direkt neben der Schleuse, in den Ausstellungsräumen des Tøndermarskens Naturcenter, findet man viel Wissenswertes über das, was einem dieses Panorama bietet: Die Natur der Marschen und des Wattenmeeres sowie ein unermesslicher Vogelreichtum.



 

 

Abgesehen von den Deichen gibt es auf diesem Abschnitt der Grenzroute kaum Erhebungen, so dass man fast immer einen weiten Horizont vor Augen hat und nur selten auf Steigungen trifft.

 


Blick über Højer




 

Ausflugstipp (2,5 km):

 

Nur wenige Kilometer nördlich – ein Radweg führt direkt am Deich entlang – bietet sich übrigens ein völlig anderes, unerwartetes Bild: unvermittelt hört der Deich auf, der Küstensaum hebt sich und eine Kliffkante tritt hervor: Emmerlev Klev. Neben der tollen Aussicht ebenso überraschend für Ortsunkundige: Hier gibt es Strand!

 

 


 


 

 

Auf der Westseite der alten Højer-Schleuse von 1861 findet man den Grund, weshalb der neue deutsch-dänische Vordeich und die Wiedau-Schleuse ab 1977 errichtet wurden: Die Hochwassermarke von 1976 an der Sturmflutsäule. Man gewann zwar somit den Schutz vor dem Blanken Hans, aber verlor den freien Zugang zur See.

 

Die im Vergleich zu ihrem modernen Nachfolger romantisch anmutende Højer-Schleuse symbolisiert heute die Seefahrtsgeschichte Højers. Über den sicheren Nordseehafen hinter der Schleuse wurde einst beträchtlicher Seehandel getrieben. Auch ein besonderes Kapitel deutsch-dänischer Geschichte trug sich hier zu: bis zur Eröffnung des Hindenburgdammes 1927 wurde mit Dampfern der zur vorletzten Jahrhundertwende schon blühende Seebäderverkehr nach Sylt von hier abgewickelt. Von Hamburg fuhren damals bereits Sonderzüge bis zum Anleger an der Schleuse.

Als Nordschleswig 1920 dänisch wurde, verplombte man die Reisewaggons zwischen der deutschen Grenze und dem Bahnhof am Hafen in Højer, um den Passagieren eine doppelte Zollkontrolle zu ersparen.

  



 

Einen historischen Einblick in den harten Alltag der hiesigen Bewohner zu just dieser Zeit bietet ein kleines Freilichtmuseum östlich der Schleuse: die Ausstellung „Bådfolk ved Vidåen“ (Bootsleute an der Wiedau) zeigt Tagewerk und Leben der Binnenfischer an der Wiedau und dem Ruttebüller See.

 

 

 

Der kleine Hafen nebenan offenbart die heutige Nutzung des idyllischen Gewässers: Viele Freizeitskipper und Sportangler genießen die Abgeschiedenheit und Ruhe in dieser Ecke Dänemarks.

 

 





Højer, Siltoft

Højer (dt.: Hoyer) präsentiert sich dem radelnden Besucher als idyllisches Städtchen mit Dänemarks einzigem reetgedecktem Rathaus (Bild li.), hübschen Häuschen, vielen Kunsthandwerkern (wie beispielsweise die Kerzengießerei Højer Lys (Havnevej 2), wo Sie ihre Kunstfertigkeit versuchen können), sehenswerten alten Bauernhöfen und historischer Kirche (St. Peder). Eine kleine Rundfahrt durch die urigen Gassen sei hiermit empfohlen, sofern man sich durch Kopfsteinpflaster nicht abschrecken lässt.

Einst war Højer sehr deutsch geprägt, und man lebte u.a. von Fischerei, (See-) Handel, Handwerk, Industrie und auch Deichbau. Jede Menge Informationen über Deiche, Sturmfluten und die Marsch bekommt man im Mühlen- und Marschmuseum in der Højer Mølle, in der man auch das noch intakte Mahlwerk besichtigen kann. Von dem alles überragenden Galerieholländer, der höchsten Holz-Windmühle Nordeuropas von 1857, hat man eine herrliche Aussicht über die Stadt und die Umgebung.




 

Ein Schauspiel ganz besonderer Art, für das Højer bekannt ist, stellt sich hier jedes Jahr im Frühling und im Herbst zum Vogelzug ein, wenn abertausende Stare im Formationsflug den weiten Himmel über der Marsch mit wolkenartigen, sich blitzschnell verändernden kunstvollen Gebilden verzaubern. Allein für dieses imposante Phänomen der „Schwarzen Sonne“ reisen aus Kopenhagen die begeisterten Zuschauer in Sonderzügen an.




 

 

Ausflugstipp (9 km):

 

Falls man die Zeit für einen besonderen Abstecher erübrigen kann, sollte man sich die Ruine der Trøjborg bei Visby unbedingt anschauen. Das von einem doppelten Burggraben umgebene Renaissance-Schloss wurde 1580 erbaut, aber 1854 leider zum Großteil abgerissen. Die einsam und romantisch gelegene Ruine strahlt eine besondere Faszination aus.

 

 


 




Bei Siltoft bzw. Norddeich passiert man den westlichsten Grenzübergang der deutsch-dänischen Grenze. Dieser hat während seines Bestehens für viel Verdruss gesorgt, nicht nur bei den anfangs oft hier in die Einöde strafversetzten Grenzgendarmen. Der ursprünglich hier platzierte Schlagbaum bereitete insbesondere dem langjährigen direkten Anlieger, Bauer Broder P., Probleme. Sein Hof lag in Dänemark, aber die Hofausfahrt mündete auf eine bereits in Deutschland liegende Straße. Jede Fahrt von seinem Hof auf seine Felder führte ihn, nach wenigen Metern auf deutschem Boden, pflichtgemäß wieder durch den Schlagbaum, zurück nach Dänemark. Da der Schlagbaum immer verschlossen sein sollte und die Grenzgendarmen nicht immer vor Ort waren, hatten die Anwohner eigene Schlüssel. Bauer P. musste nun jedes Mal vom Trecker absteigen, den Schlagbaum aufschließen, hindurch fahren und wieder abschließen. Genervt von diesem Procedere fand er bald eine eigene Lösung: er schloss erst gar nicht ab, sondern fuhr mit dem Trecker dicht an den Schlagbaum heran, um ihn mit der Mistgabel zu öffnen und – wenn überhaupt – wieder zu senken. Beinahe wäre der Grenzübergang wegen des Streits um den offenen Schlagbaum komplett geschlossen worden, aber man fand eine gute Lösung: Bauer P. bekam eine Fernbedienung für einen automatisch schließenden Schlagbaum.

 


Rickelsbüller Koog, Rodenäs, Rosenkranz, Rudbøl

 

Von Siltoft / Norddeich lohnt sich ein Abstecher zur Naturinformation im Rickelsbüller Koog.

 

Hier, am Nordseedeich des Rickelsbüller Kooges, in der äußersten Nordwesteckes Deutschlands, beginnt der Nord-Ostsee-Radweg. Dieser Koog ist ein Eldorado für Vogelkundler und Naturliebhaber: Das über 500 ha große Naturschutzgebiet ist Brutgebiet vieler seltener Vogelarten und bietet mit einer ideal platzierten Beobachtungshütte ein eindrucksvolles Naturerlebnis.

Der Nord-Ostsee-Radweg folgt in östlicher Richtung bis Rosenkranz fast genau dem Grenzverlauf.

 




 

 

Bei „Dreisprung“ passiert man den Schauplatz einer besonderen Grenzgeschichte:

Hier, etwas nordöstlich von Rodenäs lebte in den 1930er Jahren Carsten A. „mitten auf der Grenze“: das Haus in Deutschland, ein Teil des Gartens bereits in Dänemark. A. war Kommunist und verhalf nach Hitlers Machtergreifung 1933 vielen Regimegegnern zur Flucht über die Grenze. Er ließ sie vorne zur Tür herein und wies Ihnen nachts hinten im Garten die Richtung zum nächsten Dorf in Dänemark. So brachten sie sich über Felder und Gräben hinweg in Sicherheit. Auch nach Kriegsende wurde sein Heim auf der Grenze nochmals „genutzt“: kein Geringerer als Gustav Heinemann, der spätere Bundespräsident, wählte diesen Weg zu einer Konferenz in Kopenhagen – in Ermangelung eines Passierscheins der britischen Besatzungsmacht.

 


Auf der Grenzroute passiert man in Rodenäs zwischen den Ortsteilen Neudorf und Oldorf eine sehenswerte spätromanische Kirche mit separatem Glockenhaus. Teile der Kirche stammen aus der 1615 untergegangenen Kirche zu Rickelsbüll. Die zerstörerische Macht der Sturmfluten prägt die Westküste bis heute. Der alte Wiedingharder Koog, in dem wir uns hier bewegen, nimmt dabei eine Sonderstellung ein: er war 1436 der erste mit einem Rundumdeich geschützte Koog an der Nordseeküste. Viel Wissenswertes über den Deichbau findet man im Deich- und Sielmuseum in Neukirchen.




Mit einem bunt gemischten Kulturprogramm sorgt das nahe gelegene Kulturzentrum Charlottenhof in Osterklanxbüll in diesen Gefilden für Abwechslung: die aktuellen Veranstaltungen erfahren Sie unter Tel. +49 4668 92100 oder unter www.dercharlottenhof.de.

 


Beim Grenzübergang Rudbøl/Rosenkranz stößt man auf Europas wohl merkwürdigsten Grenzverlauf. Die Grenze verläuft hier auf einer Länge von 130m in der Mitte der Straße. Die Anwohner östlich der Straße wohnen in Deutschland und ihre Nachbarn auf der anderen Straßenseite in Dänemark. Nicht wenige nutzen die mitten in der Straße eingelassenen Grenzsteine für ein Foto, auf dem sie mit einem Bein in Deutschland und mit dem anderen in Dänemark stehen.

Eine Rast am idyllischen Ruttebüller See sollte man einplanen.

 




Rudbøl ↔ Lydersholm

 

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Møgeltønder

 

Zwischen Rudbøl und Møgeltønder passiert man in der weiten, flachen Marschlandschaft mehrere auf Warften (künstliche Erhebungen) liegende, stolze Marschbauern-Gehöfte. Am südlichen Horizont erahnt man den alten Deich am Magisterkoog. Hier wohnte ab 1916 Emil Nolde. Er zog jedoch 1927 auf die südliche Seite der Grenze, weil nördlich der Grenze die amphibische Landschaft, die er so liebte, verschwand. Einen Großteil des Jahres waren hier weite Landstriche von der Wiedau überflutet. Die Entwässerung der Marsch nahm ihm das schöne Panorama. Sein Protest und sogar von ihm skizzierte Alternativen konnten das Projekt nicht verhindern. Leider wurde 1933 südlich der Grenze mit dem Bau des Schöpfwerkes Verlath (Rosenkranz, Aventofter Landstraße) ebenfalls die Entwässerung der Marschen vorangetrieben, so dass Nolde bald auch dort auf das geliebte Panorama verzichten musste.




Auf dem Nord-Ostsee-Radweg passiert man etwas südlich von Rosenkranz das Nolde Museum. Von 1927 bis 1937 ließ sich der Maler nach eigenen Entwürfen sein Wohn- und Atelierhaus auf der Warft Seebüll bauen. Der eigenwillige, geschlossene Bau aus rot-violettem Klinker ist umgeben von einem prächtigen Blumengarten und erhebt sich mächtig aus der tiefen, weiten Marschlandschaft. Hier lebte und arbeitete Nolde bis zu seinem Tod im Jahr 1956. Die ursprüngliche Atmosphäre ist gewahrt geblieben, und so gleicht der Gang durch den Bildersaal und die Kabinette mehr einem Atelierbesuch als der Besichtigung eines Museums. Die Ausstellung der Gemälde, Aquarelle, Graphik und kunsthandwerklichen Arbeiten wechselt jedes Jahr und gibt einen Überblick über das künstlerische Schaffen Noldes, der zu den führenden Expressionisten in der Kunst des 20. Jahrhunderts zählt (www.nolde-stiftung.de).

  



 

 

 

Westlich von Tønder liegt das pittoreske Dorf Møgeltønder mit der schönsten Dorfstraße Dänemarks und dem Schloss Schackenborg aus dem Jahre 1664. Das Schloss war über 300 Jahre in den Händen der Grafen zu Schack, bevor es 1993 an den jüngsten Sohn der dänischen Königin, Prinz Joachim, übergeben wurde, der nun hier residiert und sich als Landwirt betätigt. Im Sommer finden Führungen durch den Schlossgarten statt. Einen Besuch sollte man auch der etwa 800 Jahre alten St. Nikolaj-Kirche abstatten, in der man neben Dänemarks ältester Dorfkirchenorgel auch üppige Fresken und weiteres Inventar aus Renaissance und Mittelalter besichtigen kann.

  


Auf der Grenzroute kommt man durch zwei völlig unterschiedliche Bereiche des Dorfes Møgeltønder: im südlichen Teil liegt das eigentliche Bauerndorf mit den alten reetgedeckten Höfen der Freibauern. Manche der niedrigen Gebäude in friesischem Baustil stammen aus dem 17.Jh. Ganz anders präsentiert sich die breite, gepflasterte Schloßstraße in Møgeltønders Dorfmitte. Viele der in sehr homogenem Stil errichteten Häuser entlang der von Linden gesäumten Straße beherbergten ehemals das Personal des Gutshofes, der zum ursprünglich „Møgeltønderhus“ genannten Schloss gehörte. Zwischen den früher überwiegend deutsch gesinnten Städten Tønder und Højer war Møgeltønder eine dänische Enklave. Hier galten die Gesetze des Königreiches und nicht, wie rundherum, die des Herzogtums Schleswig. Während es in Tønder beispielsweise Zensur gab, herrschte hier Meinungsfreiheit.




 

Ausflugstipp (2 km):

Bei Gallehus, nördlich von Møgeltønder, liegt der Fundort der berühmten Goldhörner von Gallehus (Gallehus, Guldhornsvej). Zwei Gedenksteine (‚Guldhornsstenene’) erinnern dort an die ca. 3 kg schweren Hörner aus purem Gold, die 1639 und 1734 gefunden wurden. Die Datierung der Artefakte auf 400 n.Chr. ist vage, da die originalen Goldhörner 1802 aus der königlichen Kunstkammer gestohlen und eingeschmolzen wurden. Kopien kann man im Tønder Museum besichtigen. 

 





Tønder

 

Tønder (dt.: Tondern), die ‚Hauptstadt’ der Marsch, ist seit jeher ein geschäftiges Handelsstädtchen. Die Stadtrechte erhielt es bereits im Jahre 1243. Im Mittelalter und während der Renaissance hatte Tønder als Hafen und Umschlagplatz für Ochsen und Pferde große Bedeutung. Wegen zunehmender Versandung musste der Hafen jedoch aufgegeben werden. Im 18.Jh. gelangte die Stadt durch Klöppelspitzen zu weltweiter Berühmtheit. Über 12 000 Frauen und Mädchen waren in und um Tønder mit diesem Textilhandwerk beschäftigt, und die vielen reichen Händler ließen Patrizierhäuser bauen, die man heute im Stadtzentrum bewundern kann. Alle drei Jahre findet in Tønder ein Klöppelfestival mit bis zu 700 Teilnehmerinnen statt. Weithin bekannt ist Tønder auch für sein Folk- und Jazz-Festival – dem größten in Skandinavien – und für die attraktiven Museen.




Das kulturhistorische ‚Tønder Museum’ (Kongevej 51-55) zeigt u.a. eine große Sammlung von Tischsilber aus hiesigen Werkstätten, Klöppelspitzen, Möbel und holländische Fliesen, während das angegliederte ‚Sønderjyllands Kunstmuseum’ das Hauptmuseum für Kunst im Landesteil Sønderjylland ist. ‚Drøhses Hus’ (Storegade 14) in der Fußgängerzone beherbergt eine Sonderabteilung des Tønder Museums mit Sammlungen von Klöppelspitzen, Möbeln und Fayencen.

 

Nördlich von Tønder erwartet Sie im Zeppelinmuseum eine ungewöhnliche Ausstellung: Funde, Fotos und Rekonstruktionen vermitteln einen Eindruck des größten deutschen Marineluftschiffhafens in Nordeuropa, der sich hier von 1914-1920 befand. Auch eine Sammlung über die Zeit der dänischen Garnison, die hier von 1920 bis 1936 beheimatet war, ist zu besichtigen (Tønder, Gasværkvej 1, nur Sa. u. So.).




Zeppelin Museum

Tønder erscheint dem Besucher heute als unzweifelhaft dänische Handelsstadt – obwohl die Stadtgeschichte sehr deutsch geprägt war, mit starken kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen nach Süden. Die Schul- und Kirchensprache war fast durchgängig Deutsch und bei der Volksabstimmung zur nationalen Zugehörigkeit im Jahre 1920 stimmten hier knapp 75% für Deutschland. Entsprechend groß war die Enttäuschung, dass die Grenze dann doch südlich von Tønder verlief. Bis zu Hitlers Machtergreifung führten Deutsche und Dänen trotzdem eine friedliche Koexistenz. Während der Nazizeit verschärfte sich der Umgangston und auch in den Nachkriegsjahren war das Verhältnis problematisch. In den 50er Jahren entspannte sich die Situation und das deutsche kulturelle Leben bekam wieder seinen Platz in Tønder. In der Stadt findet man heute auch deutsche Institutionen wie Schule, Kindergarten, Bücherei und eine deutsche Kirchengemeinde sowie mehrere deutsche Vereine. Das Kriegsbeil des Grenzkampfes ist begraben und das Zusammenleben der beiden Nationalitäten gestaltet sich vorbildlich.

 



 

 

Ubjerg

 

Zwischen Aventoft und Tønder erhebt sich ein in dieser flachen Landschaft fast monumental wirkendes, hübsches Dörfchen: Ubjerg. Neben Dänemarks ältestem Pfarrhof von 1675 steht eine sehenswerte romanische Kirche aus dem 12.Jh. Die Deckengemälde von 1747 und das Kruzifix von 1525 sind unbedingt einen Blick wert.




 

 

 

Nicht weniger beeindruckend ist der westlich von Ubjerg gelegene Hof Bjerremark, ein imposanter Marschenhof, der 1842 bzw. 1872 (Hauptflügel) erbaut wurde und heute ein Konferenz- und Seminarzentrum des nordschleswigschen Schuhfabrikanten ecco beherbergt.

 



 

Aventoft

 

In Aventoft finden sich heute kaum noch Relikte der Grenzkontrollen – wie fast überall entlang der 69 km langen Landesgrenze. Aber immerhin steht hier noch das alte Zollamt, denn dessen Errichtung gestaltete sich nach der Grenzziehung 1920 schwer genug. Das Grundstück für das Gebäude wollte der Besitzer, ein Bauer aus dem Dorf, damals partout nicht verkaufen. Also strengte man ein Enteignungsverfahren an. In diesem legte der Anwalt des Bauern das gutachterlich untermauerte Problem dar, dass der Bauer seinen Misthaufen nicht mehr benutzen könne, wenn das geforderte Grundstück an den Zoll ginge. Der nötige Wendeplatz für sein Pferdefuhrwerk zum Heranfahren an den Misthaufen sei dann nämlich perdu. Daraufhin wurde ein „Probemistfahren“ anberaumt, durchzuführen vom Zollinspektor, bezeugt vom Gemeindevorsteher. Der eigens dafür erstellte Grundstücksplan gab die mit leerem und beladenem Dungwagen zu absolvierenden Probefahrten farbig exakt vor. Leider kam es nicht mehr zum Praxistest, da rund um den Misthaufen bereits das Baumaterial für das neue Zollgebäude lagerte. Schließlich beendete man das langwierige Verfahren mit einem Vergleich und konnte 1924 das Zollamt errichten.


 

Wenn man durch Aventoft radelt, mag man es kaum glauben, aber das Dorf war ursprünglich ein Fischerdorf, das bis 1928 noch inmitten einer weiten Seenlandschaft lag. Diese verschwand mit der dann einsetzenden Entwässerung der Marschen. Bei einem Rundflug mit einem Segelflugzeug vom nahe gelegenen Segelflugplatz (Segelflugplatz Aventoft, Westerunterland, Tel. +49 4668 590) kann man sich die Seen rund um das Dorf noch gut vorstellen. Die Fischer bekamen aber bereits 1920 Probleme, denn mit der Grenzziehung verloren sie ihren Absatzmarkt in Tønder.

Heute prägen in Aventoft neben der im 13.Jh. erbauten Kirche und dem sehenswerten Dorfkern mit schönen Reetdachhäusern vor allem die Geschäfte des Grenzhandels das Bild des Dorfes.






Süderlügum

 

Süderlügum zählt neben Aventoft und Harrislee zu den am stärksten vom Grenzhandel geprägten Gemeinden. Die Grenznähe erlaubt Sonderregelungen bezüglich der Ladenöffnungszeiten, so dass sich auch Kunden von weit her zum sonntäglichen Einkauf nach Süderlügum aufmachen. Wegen der verkehrsgünstigen Lage an der Trasse des westlichen Ochsenweges war Süderlügum aber schon in alter Zeit ein begehrter Handelsplatz. Der bereits 1177 als ‚Lügum’ erwähnte Ort liegt zwischen Marsch und Geest, wobei die Marsch auf ihren fetten Weiden für einträgliche Landwirtschaft sorgte, die Geest aber echte Probleme in Süderlügum bereitete: man hatte hier mit Sandstürmen zu kämpfen! Die östlich von Süderlügum direkt zwischen Nord-Ostsee-Radweg und Grenzroute gelegenen Binnendünen vermitteln noch einen deutlichen Eindruck von den Sandmassen, die bei starkem Wind verweht wurden. Heute findet man in diesem interessanten Naturschutzgebiet eine Aussichtsplattform und schöne Spazierwege durch die Dünenlandschaft.





Ellhöft

 

Östlich der Süderlügumer Binnendünen durchquert man auf Grenzroute und Nord-Ostsee-Radweg den Süderlügumer Forst. Erst mit der Anpflanzung dieses Waldes zu Beginn des letzten Jahrhunderts konnte man die starken Sandverwehungen in diesem Bereich der Geest verhindern. In anderen Bereichen des schleswigschen Geestrückens kommt es auch heutzutage noch zu ‚Sandstürmen’ auf Ackerflächen, die nicht durch Knicks (Wallhecken) vor Winderosion geschützt sind. 

Zwischen Ellhöft und Lydersholm bewegt man sich auf der Grenzroute durch ein uriges Wegestück. Man fühlt sich in dieser Abgeschiedenheit tatsächlich wie im Niemandsland. Am Horizont drehen sich in dem unendlich weiten Himmel ein paar moderne Windmühlen, von denen man einen tollen Ausblick hat, wenn man sie denn beim ‚Windmillclimbing’  (Windpark Ellhöft, Tel. +49 4663 7299) bestiegen hat, und man beginnt, die absolute Stille zu hören. Nur der Kiesweg knirscht unter den Reifen.



Den Grenzübergang Vindtved passiert man fast unbemerkt. Keines der kleinen Grenzhäuschen, in denen sich früher die Gendarmen mit den Anwohnern zum Skat getroffen haben, ist übrig geblieben. Man hatte hier ein gutes Verhältnis zu den Grenzern und half sich gegenseitig. Schließlich wohnten sie meist mit im Dorf Ellhöft und arbeiteten oft sogar mit ihren Familien bei der Ernte auf den Feldern. So drückten Zöllner mal ein Auge zu, und Anwohner meldeten „dunkle Gestalten“ in Grenznähe.





 

Ausflugstipp (1,5 km):

 

Für diejenigen unter den Grenzrouten-Radwanderern, die Schlossruinen interessant oder romantisch finden, sei hier ein Plätzchen nördlich von Lydersholm empfohlen: das Fundament des um 1570 erbauten Jagdschlosses von Herzog Hans d. Älteren (Grøngård  Slotsruin, Lydersholmvej 3) liegt hinter dem imposanten Bauernhof ‚Grøngård’ versteckt im Gras. Vorsicht: ebenso leicht zu übersehen ist der immer noch Wasser führende Burggraben!

 




Ausflugstipp (8,5 km) :

 

Wenn man sich schon für den Schlenker nach Norden entschieden hat, so sei Kulturinteressierten hier ein weiterer Tipp verraten: Am Nordufer der Grønå, zwischen Jejsing und Bylderup-Bov, liegt eine Ortschaft, die einen weltberühmten Maler hervorgebracht und ihm den Namen geliehen hat: Nolde. Hier wurde am 7. August 1867 Hans Emil Hansen geboren. 1904 nahm er den Nachnamen Nolde an. 1943 brannte der Bauernhof seiner Kindheit nieder. Eine Gedenktafel in Emil Noldes Geburtsort liefert weitere Informationen über die Stätte, die die ersten Lebensjahre des Expressionisten prägte.


Lydersholm Weesby

 

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Schwarzberger Moor, Westre

 

 

Für die Radler auf der Grenzroute wurden zehn neue Rastplätze angelegt. Einer dieser Rastplätze wurde nördlich der Gemeinde Westre in einem besonderen Naturschutzgebiet platziert: am Schwarzberger Moor. Während man sein wohlverdientes Lunchpaket in der eigens für die Grenzroute entworfenen Wetterschutzhütte verspeist, kann man den herrlichen Blick auf das in Binnendünen eingebettete, 9 ha große Hochmoor und den angrenzenden Wald genießen.




 

Auf einer der Infotafeln, die entlang der Route Grenzgeschichte(n) erzählen, wird am Schwarzberger Moor die Geschichte des Adolf Tysker vorgestellt, der nach der Abstimmung über den Grenzverlauf 1920 hier in Sichtweite lebte. Eigentlich hieß er Adolf Ewertsen, wurde aber Adolf Tysker (Adolf der Deutsche) genannt, weil er vor der Grenzverlegung in Lüdersholm (Lydersholm) wohnte und nicht dänischer Staatsbürger werden wollte. Als Lüdersholm dänisch wurde, packte er seine Sachen und zog auf die deutsche Seite. Er hauste in einer Erdhöhle mit einer Kuh und einigen Schafen, denn für ein Haus hatte er kein Geld. Nicht wenige Menschen beiderseits der Grenze sind nach der Abstimmung über den Grenzverlauf 1920 ins Nachbarland ausgewandert, um entweder Deutsche oder Dänen bleiben zu können.


 

 

Das gemeinsame Stück von Grenzroute und Nord-Ostsee-Radweg zwischen dem Dorfidyll Westre und der Gemeinde Ladelund überrascht den inzwischen an die Ebene gewöhnten Radler mit einer Steigung – der einzigen weit und breit. Allzu schlimm fällt diese dann doch nicht aus, und belohnt wird man dafür mit einer schönen Aussicht.



Dorfmuseum Ladelund


Ladelund

 

Sofern Sie auf der Grenzroute nicht nur zum Radeln unterwegs sind, sondern auch etwas mehr über das Grenzland erfahren möchten: Ladelund hat einen schönen Dorfkern, eine sehenswerte Kirche und viel Geschichte zu bieten.
Das als volkskundliches Museum mit Exponaten zu Landwirtschaft, Handwerk, Haus und Wohnen angelegte Dorfmuseum Ladelunds (Westerstraße, nur Mi. 14-18 Uhr, Gruppen nach Absprache: Tel. +49 4666 723) informiert über die ‚allgemeine’ Kulturhistorie, während eine weitere Institution die besondere Vergangenheit beleuchtet:

Die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte (Raiffeisenstr. 3, montags geschlossen) leistet seit 1950 hochgeschätzte Versöhnungsarbeit und erinnert in einer Dauerausstellung an das Schicksal der 2000 Häftlinge, die 1944 in der hier ehemals belegenen Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme unter unsäglichen Umständen für die menschenunwürdige Schwerstarbeit an ‚Riegelstellungen’ von Hitlers so genanntem Friesenwall untergebracht waren. 300 von ihnen starben in den sechs Wochen, die das Lager bestand.

 

 

 

 

Sollten Sie Entspannung einem Exkurs in die Geschichte vorziehen: das nördlich von Ladelund (Stato) wunderschön gelegene Naturbad bietet Erholung und Wasserspaß mit Sprungturm und Bistro.

 

KZ-Gedenkstätte Ladelund



Rens

 

In Rens sollte man sich etwas Zeit für eine Pause am Ufer der Sønderå nehmen, die durch diese schöne Landschaft mäandert und hier parallel zum ursprünglichen Flussbett über eine Fischtreppe verläuft. Nicht selten trifft man am Rastplatz der Grenzroute auf Kanus, denn Rens ist eine ideale Einsetzstelle und gern genutzte Rastgelegenheit für die Wasserwanderer. Wenn man in der näheren Umgebung genau hinschaut, findet man auch eine alte Wassermühle. Auf der Nationalroute 8 gen Westen radelt man übrigens direkt am schönen Ufer der Sønderå entlang.






 

Ausflugstipp (3,5 km):

 

 

Bewunderer alter Kirchen sollten sich unbedingt zur nahe gelegenen Burkal Kirke (Saksborg, Burkal Kirkevej 2) aufmachen. Die weiß gekalkte und bleigedeckte Kirche stammt aus dem Jahre 1025. Die beeindruckenden Malereien im Kirchenschiff lassen sich auf das Jahr 1622 datieren. Sollte die Kirche verschlossen sein: den Schlüssel gibt es beim Kirchendiener (Tel. +45 7476 21 10). 

 

 



Ausflugstipp (2,5 km):

Ein absolutes Idyll findet man bei der Wassermühle von St. Jyndevad (Julianehåbvej). Das Mühlengebäude wurde zwar erst 1896 errichtet, aber die Geschichte der ehemals königlichen Korn- und Walzenmühle lässt sich bis ins Jahr 1230 zurückverfolgen. Mönche aus Løgumkloster erbauten dereinst die Mühle und legten 1357 auch den Mühlenteich zur Selbstversorgung mit Fisch an, da sie kein Fleisch aßen. Allein der malerische Blick in die Landschaft ist den kurzen Abstecher von der Grenzroute alle Mal wert.




Bögelhuus, Weesby

 

Bei Bögelhuus radelt man auf der Grenzroute über einen der kleinen Grenzübergänge, die vor 2001 für die Allgemeinheit geschlossen waren. Für die Bewohner im Umkreis von 5 km waren diese jedoch bereits vor dem Schengener-Abkommen ohne Kontrolle passierbar – dazu reichte ein Eintrag im Pass oder Ausweis. Individuelle Pässe mit vermerkter Größe, Alter usw. wurden auch für Arbeitspferde ausgestellt. Kühe aber hatten keine Pässe. Für diese konnten Grenzübertritte problematisch sein.

Eines Tages – wir schreiben die 50´er Jahre - kam einem Bauer in Bögelhuus eine Kuh abhanden. Sie fand sich auf dänischem Gebiet wieder an, und der dänische Zöllner führte sie eigenhändig zur Grenze. Hier aber stellten sich die deutschen Zöllner quer.

Wenn man hier draußen schon mal etwas Besonderes hatte, so musste man es doch bei den Vorgesetzten melden. Als Konsequenz musste die Kuh beim dänischen Nachbarn in Quarantäne, und der deutsche Zollkommissar und ein dänischer Oberzöllner reisten zur Klärung des Sachverhalts an. Das Resultat: der Bauer bekam seine Kuh und die deutschen Zöllner den guten Rat, so was Banales ja nie wieder zu melden.




 

 

 

 

Während die Radler auf der Grenzroute bei Weesby auf die einzigen spürbaren (und nicht annähernd alpinen) Steigungen im mittleren Bereich der Grenzroute zwischen Ladelund und dem Frösleelager treffen, haben Radwanderer auf dem Nord-Ostsee-Radweg auch bei Bramstedtlund, wo Kiesgruben tief in die eiszeitlichen Sedimentschichten vorgedrungen sind, das Vergnügen, auf dem ansonsten sehr ebenen Routenabschnitt ein bisschen bergauf und bergab radeln zu dürfen.


 

Auf der Grenzroute fallen in der weitläufigen Natur dem aufmerksamen Radler auf der deutschen Seite gleichförmige, immer ‚wiederkehrende’ Gebäude aus rotem Ziegelstein auf. Manchmal stehen diese mitten in der Landschaft (wie in Bögelhuus) oder aber sie bevölkern ganze Straßenzüge in ähnlichen Formen in den Siedlungen entlang der Grenze (z.B. Süderlügum, Zollstraße). Dies waren die Dienstwohnungen der Zöllner, die oft in der Nähe der Grenzübergänge wohnten, damit sie diese auch in der Freizeit überwachen konnten. Den Baustil der kleineren, aus den 20’er Jahren stammenden ‚Zollhäuser’, nennt man ‚Heimatschutzarchitektur’, den der größeren, schmuckloser wirkenden Variante aus den 30’er Jahren ‚Klinker-Expressionismus’. Die nach der Grenzziehung 1920 eilends errichteten 33 dänischen Gendarmenhäuser (siehe Bild rechts) fallen weniger ins Auge, denn sie wurden den regionalen Eigenarten in Dacheindeckung und Verblendung angepasst.



Weesby Padborg

 

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Medelby, Jardelund

 

Medelby, am Nord-Ostsee-Radweg nur unweit südlich der Grenzroute gelegen, hat neben der aus dem 12.Jh. stammenden St. Matthäus Kirche (Norderfeldweg), die im Innern mit sehenswerten Arbeiten der verschiedensten Epochen aufwarten kann, auch die im Jahre 1858 gebaute Holländerwindmühle Vanessa (Achter de Möhl) als Ausflugsziel zu bieten. Diese ist zur Wohnmühle umgebaut und nur bei gelegentlichen Ausstellungen und Konzerten zugänglich.





 

 

Zwischen den beschaulichen Dörfern Weesby und Jardelund liegt knapp dreihundert Meter nördlich der Grenzroute das Naturschutzgebiet ‚Böxlunder Eichenkratt’. Zwar muss man ein kurzes Stück bergan radeln, wird aber mit einem besonderen Erlebnis belohnt: zur Linken fällt der Blick überraschend tief in eine ehemalige Kieskuhle, an deren Boden, in bewaldete Hänge eingegraben, ein Gewässer ganz eigentümlich schimmert. Ein Rastplatz mit Naturinformation lädt zum Verweilen ein an diesem Ort, der etwas der Welt entrückt zu sein scheint.


 

 

 

In Jardelund gibt es für kulturinteressierte Radwanderer die Möglichkeit, im Dorfmuseum ‚Christian Lassen’s Minde Museum’ (Kupfermühlenweg 4, nur Do. 9-12 Uhr oder nach Absprache: Tel. +49 4605 188759) einen authentischen Einblick in das Landleben der vergangenen 100 Jahre zu bekommen. Das Kuriose daran: die Ausstellung ist nicht etwa zusammen getragen, sondern gehörte komplett zum Leben des letzten Bewohners des alten Dorfkruges. Sein gesamter Hausstand – das Erbe von Generationen – zeugt hier im musealen Originalzustand vom Leben anno dazumal.




Zwischen den Waldgebieten von Jardelund und Frøslev liegt unweit der Grenzroute das 527 ha große, grenzüberschreitende Naturschutzgebiet Frøslev-Jardelunder Moor. Auf beiden Seiten der Grenze wird dazu Naturinformation präsentiert. Auf deutscher Seite gibt es außerdem einen 2,5 km langen Erlebnispfad durch das Moor, mit Schautafeln zu Pflanzen und Tieren, Entstehung und Ökologie des Moores. Man gelangt zur Infohütte, indem man zwischen dem Grenzübergang „Fehle/Sofiedal“ und Jardelund dem kleinen Radschild mit der Nr.4 in östlicher Richtung folgt. Zur dänischen Naturinformation führt die Lokalroute 18, nach Süden abzweigend vom Nord-Ostsee-Radweg bei Pluskær. Hier gibt es im Moor einen Wanderpfad zum Fundort des berühmten Frøslev-Schreins, der mit einem Eichenobelisk markiert ist. Der Schrein wurde 1872 beim Torfstechen gefunden, und aus dem damals deutschen Nordschleswig nach Dänemark geschmuggelt. Eine Kopie des vergoldeten Reliquienschreins aus dem 10.Jh. wurde dem dänischen Kronprinzenpaar als Sønderjyllands Volksgabe zum Hochzeitsgeschenk gemacht.


Sofiedal, Frøslev Plantage

 

 

 

In Sofiedal stehen noch viele Höfe der Kolonisten, die ab 1761 unter dem dänischen König Friedrich V. aus Württemberg, Hessen und der Pfalz zur Kulti­vierung in diese damals dünn besiedelte Ödnis gelockt wurden. Ursprünglich war hier alles nur Heide- und Moorlandschaft - und Richtung Westen erstreckt sich noch heute die Weite der Geest, die zwar kaum kulturelle Sehenswürdigkeiten bietet, dafür aber die Erfahrung der „absoluten Ruhe“. Hier bekommt man wirklich einen Eindruck von der Abgeschiedenheit des Grenzlandes.





 

 

Ausflugstipp (6,5 km):

 

Falls man Interesse an geschichtsträchtigen Wegen und urigen Brücken hat, so findet man etwas nördlich der Grenzroute, auf der Radroute des Hærvej/Ochsenweg, die man in Fårhus kreuzt, ein originales Trassenstück dieser seit der Bronzezeit bestehenden Verbindung zwischen dem dänischen Viborg und Wedel an der Elbe. Auch eine nahe gelegene Granitquaderbrücke (‚Gejlå Bro’) von 1818 ist den kleinen Ausflug wert.

 

 



 

In der Frøslev Plantage taucht auf der Fahrt durch den idyllischen Wald plötzlich ein ernst wirkendes Eingangsportal auf – und dahinter ein nicht minder ernst wirkendes, weitläufiges Lager rot gestrichener Baracken. Dänen ist dieser Ort und seine Geschichte meist gut bekannt, während deutsche Radler nicht selten etwas irritiert davor stehen bleiben.

Die Grenzroute führt mitten durch das beeindruckende ‚Frösleelager’ (Frøslevlejren), das im Jahre 1944 als deutsches Polizeigefangenenlager unter der Leitung der deutschen Sicherheitspolizei in Dänemark errichtet wurde. Insgesamt passierten vom August 1944 bis zur Befreiung am 5. Mai 1945 rund 12.000 Häftlinge das Lager.



Im Gegensatz zu anderen deutschen Konzentrationslagern kamen in diesem Lager Gewalt, Folter, Erniedrigungen und Tötungen im Großen und Ganzen nicht vor. Jedoch wurden auch von hier Deportationen in deutsche KZs durchgeführt. Später diente das Lager unter dem Namen „Faarhus-Lager“ als Internierungs- und Straflager für Kollaborateure der deutschen Besatzer.

Neben dem ‚Frøslevlejrens Museum’, das seit 1969 die Geschichte des Lagers eingehend vermittelt, befinden sich heute auf dem Gelände dieser nationalen Gedenkstätte u.a. auch interessante Museumsausstellungen von Amnesty International, der UN, der dänischen Heimwehr, dem dänischen Zivilschutz sowie eine Naturausstellung der dänischen Umweltbehörde.





Vilmkær, Handewitt, Padborg

 

Südlich der Frøslev Plantage gleitet der Blick über weite Felder – und fast unmerklich überquert man wieder einen Grenzübergang. In Vilmkær steht heute nur noch der Briefkasten des dänischen Zolls.

Auch die Grenzüberwachung wird man hier vergeblich suchen: seit dem Inkrafttreten des Schengener Abkommens am 25.März 2001 konzentriert sich diese auf das Hinterland.

Nach der Grenzziehung 1920 patrouillierte man noch zu Fuß entlang der Grenze. 1955 wurde die Grenzüberwachung mobiler. Man führte erst Motorrad- und später Autostreifen ein. Ab 1969 wurde auch das Hinterland systematisch überwacht.
Eine echte Revolution war die Einführung der Kameraüber­wachung der Grenze. Während der deutsche Bundesgrenzschutz die „grüne Grenze“ nachts mit Wärmebildkameras an bestimmten Punkten absuchte, installierte die dänische Polizei an den kleinen Grenzübergängen Bewegungsmelder und Infrarotkameras. So auch hier.

Kontrolliert wurde aber in Vilmkær vor allem ein Bauer, der 1920 bei der Festlegung der Grenze auf persönlichen Antrag zu Dänemark gezählt wurde. Leider wurde die Straße vor seinem Haus deutsch – und er musste nun bei jeder Fahrt von seinem Hof den Grenzübergang benutzen.

Da hier aber kein Schlagbaum stand, warteten die Grenzer umso gespannter auf Schmuggler – und kontrollierten den Bauern und seine Besucher bei jeder Gelegenheit.


 

 

Ausflugstipp (2,5 km):

 

Bei der weithin sichtbaren Kirche zu Handewitt präsentiert das hiesige Dorfmuseum (Alter Kirchenweg 4, nur 1.+ 3. Do. im Monat oder nach Absprache, Tel. +49 4608 970694) eine Ausstellung zur Haus- und Landwirtschaft, die Dorfgeschichte sowie Ausschnitte aus dem dörflichen Leben.

 





 

 

Am Grenzrouten-Rastplatz zwischen Handewitt und Harrislee kann man im angrenzenden ‚Naturerlebnisraum Stiftungsland Schäferhaus’ Natur und Archäologie erleben: Erlebnispunkte, Naturinformation, rekonstruierte Hügelgräber, seltene Pflanzen und urige Tiere im 300 ha großen Naturschutzgebiet bieten eine interessante Abwechslung. Auch ein Stück Originaltrasse des Ochsenweges, auf dem im 17.Jh. bis zu 40.000 Ochsen Richtung Süden getrieben wurden, findet man hier.


 

 

Während man auf dem Nord-Ostsee-Radweg bei Frøslev kurzzeitig ein Meer von Speditionshallen im Norden erblicken kann, bekommt man auf der Grenzroute nichts davon mit, dass in Padborg das größte Transport- und Logistikzentrum Nordeuropas mit allein 3000 Angestellten im Transportgewerbe ansässig ist. Nach der Abstimmung 1920 wäre Padborg beinahe zu Deutschland gekommen – erst im Nachhinein wurde hier der Grenzverlauf nach Süden verlegt. Nun passieren jeden Tag 4.500 Lastwagen den Ort, der von seiner Grenzlage enorm profitiert hat.



Padborg Flensburg

 

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Padborg, Bov

 

Das lokalhistorische Museum von Bov (Padborg, Bovvej 2, montags geschlossen) befindet sich im reetgedeckten Hof „Oldemorstoft“, der alten Hardesvogtei von 1472. Hier erfährt man sehr viel über die Grenze, die Grenzgendarmen und über das Leben an der Grenze sowie über die Schlacht von Bov: hier begann 1848 die erste Schlacht der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (dän.: Treårskrigen), wo sich 10.000 dänische Soldaten und 6.000 schleswig-holsteinische „Aufrührer“ gegenüberstanden. Wenn man genau hinschaut, findet man nahe dem Gedenkstein im Ortszentum von Bov noch Kanonenkugeln in einer Gartenmauer.





 

Während in diesem Bereich der Nord-Ostsee-Radweg nördlich der Grenze den leichteren Streckenverlauf bereithält, müssen sich entlang der Grenzroute untrainierte Radler auf anstrengende Steigungen rund um das idyllisch gelegene Niehuus einstellen. Die Grenzroute führt zwischen Bov und Kruså mitten durch das eiszeitliche Tunneltal der Krusau. Der herrliche Blick in das Tal ist jedoch alle Mühe wert. Hier bekommt man einen Eindruck, welche Kraft Schmelzwasser hat. In der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren lag hier ein Gletschertor der bis zu 3 km hohen Eismassen. Heute findet man hier einen Naturerlebnisraum und verschiedene Wanderwege.


 

Der Name Niehuus weist auf die Turmhügelburg Nygenhus hin, die hier einst am Wege lag und von der noch Relikte zeugen. Um 1345 als Zollstelle am Ochsenweg/Heerweg nach Flensburg erbaut, verfiel sie nach 1431, als der Dänenkönig Erich von Pommern die Stadt Flensburg an Holstein verlor. Auch Teile des historischen Ochsenweges, der hier ‚Der Krumme Weg’ genannt wird, sind als Pflasterung aus dem 17. Jh. erhalten. 




 

 

Von der Grenzziehung 1920 war der heute zur Gemeinde Harrislee gehörende Ortsteil Niehuus besonders betroffen. Man verlor seine Kirche. Der Kirchenweg führte bis 1920 durch das Tunneltal zur Kirche von Bov, die am nördlichen Horizont die Baumwipfel überragt. Mit der Grenzziehung lagen auf dem jetzigen Gemeindegebiet Harrislees nicht weniger als sieben Grenzübergänge.

Harrislee wusste von dieser Grenzlage jedoch ebenso zu profitieren wie das benachbarte Padborg. Man holte bereits vor dem Eintritt Dänemarks in die EG (1973) skandinavische Unternehmen in die Gemeinde und legte damit den Grundstein für ein rasantes Wachstum von Industrie, Gewerbe und Einwohnerzahl.


Kruså, Kupfermühle, Wassersleben

 

 

 

In Kruså haben geschichtlich Interessierte, denen der Name Graf Folke Bernadotte ein Begriff ist, einen symbolträchtigen Anlaufpunkt: seine Statue und ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Rettung von dänischen und norwegischen KZ-Gefangenen im April 1945. Dort, wo die Statue steht, traf am 20. und 21. April 1945 eine Armada von 200 weißen Bussen mit 4.000 Dänen und Norwegern ein, die geradewegs aus dem KZ Neuengamme kamen. Dies war der Höhepunkt der Bemühungen um die Evakuierung der skandinavischen KZ- Gefangenen seit Dezember 1944. Neben dem dänischen Sozial- und Außenministerium war insbesondere der Vizepräsident des schwedischen Roten Kreuzes, Graf Folke Bernadotte, der verdienstvolle Hauptakteur in diesen Bemühungen. Kruså und Padborg wurden für mehr als 6000 Gerettete die erste Zwischenstation auf dem Weg in die Freiheit.




 

 

Im Harrisleer Ortsteil Kupfermühle fährt man auf der Grenzroute mitten durch ein Industriemuseum: die alte Kupfermühle wurde im Jahre 1612 vom dänischen König Christian IV. gegründet. Die Dächer vieler dänischer Königsschlösser wurden mit Kupferblechen aus den ehemaligen „Krusau´er Kupfer- und Messingwerken“ gedeckt. Das hier beheimatete Museum zur Geschichte der Kupfermühle fasziniert mit vielen Exponaten in den denkmalgeschützen Fabrik- und Wohnstätten. (Harrislee, Zur Kupfermühle 14, Di. 14:30- 17 Uhr und nach Vereinb.: Tel. +49 461 7935.)


 

Bei Wassersleben sollte man einen kurzen Abstecher zum Grenzübergang Schusterkate einplanen. Die Grenzpassage auf der idyllisch gelegenen Holzbrücke über die Krusau war bis 2001 nur im Sommer erlaubt und ermöglichte den Flensburger Bürgern den Besuch ihres in Dänemark gelegenen Waldes. Nun ist die Brücke ganzjährig geöffnet, aber der Wald nicht mehr in deutschem Besitz. Die Überquerung der Brücke für einen Spaziergang im Kollunder Wald ist dennoch ein beliebtes Sommervergnügen der Flensburger geblieben.



 

In Wassersleben befindet sich der östliche Start- und Endpunkt des Nord-Ostsee-Radweges. Nach einem Nickerchen am Strand und einem erfrischenden Bad in der Flensburger Förde kann man sich hier in einem parkähnlichen Gelände auch auf Deutschlands größter Minigolfanlage versuchen.




 

 

Zwischen den Badestränden Wassersleben und Ostseebad verläuft die Grenzroute direkt am Fördeufer entlang. Auf der einen Seite drängt hier ein weitläufiges Waldgebiet an zerklüfteten Steilhängen bis an den Wegesrand, zur anderen Seite öffnet sich die breite Innenförde mit einem herrlichen Panorama, das zum Verweilen und Träumen einlädt. Die vielen Segelboote lassen erahnen, dass hier eines der schönsten Segelreviere der Ostsee beginnt.




Flensburg

 

In Flensburg beginnt und endet die Grenzroute an einer wunderschönen Stelle, die man nicht verfehlen kann: die Hafenspitze.

Die Stadt Flensburg ist vielen Besuchern schon vorher ein Begriff – aus verschiedenen Gründen: Deutsche kennen vor allem das Kraftfahrtbundesamt, Dänen ist es oft als dicht an der Grenze liegendes Einkaufsziel bekannt. In beiden Nationen ist auch die erfolgreiche Bundesliga-Handballmannschaft der SG-Flensburg-Handewitt ein Begriff. Das aber inzwischen sogar Kreuzfahrtschiffe den Flensburger Hafen anlaufen, kommt nicht von ungefähr: Die Stadt hat Flair!


 

Wer das erste Mal hierher kommt, ist überrascht von dem faszinierenden Hafenpanorama mit seinen steilen Fördehängen. Die maritime Atmosphäre und historische Bausubstanz der traditionsreichen Seehandelsstadt, die bereits 1284 das Stadtrecht erhielt, setzt sich entlang der beschaulichen „Shoppingmeile“ im Herzen der Stadt fort: man entdeckt hinter den hübschen Fassaden immer wieder malerische Kaufmannshöfe mit alten Speichern. Diese stammen zum Teil aus den Zeiten der ‚Westindienfahrt’: Flensburgs Flotte zählte einst fast 300 Schiffe, mit denen Ende des 18. Jahrhunderts aus der Karibik Rohrzucker, Tabak und Rum als Halbfabrikate nach Flensburg kamen, um sie hier weiterzuverarbeiten. Diesen Teil der (Rum-)Stadtgeschichte erlebt man im Schiffahrtsmuseum am Museumshafen, wo auch Museumsschiffe zu bestaunen sind.



Nordermarkt
Schiffahrtsmuseum
Kaufmannshof


Städtisches Museum

Phänomenta

 

Hoch über der Stadt auf dem Museumsberg thront das Städtische Museum, das in zwei repräsentativen Museumsgebäuden auf 3000 qm Ausstellungsfläche einen umfassenden Einblick in die Kunst- und Kulturgeschichte im Landesteil Schleswig vom 13. bis zum 20. Jahrhundert gibt.

Neben Flensburgs sehenswertem Wahrzeichen, dem Nordertor von 1595, bietet das spannende Experimentiermuseum Phänomenta eine interaktive Präsentation naturwissenschaftlicher und technischer Phänomene - ein Umwelterlebnis mit allen Sinnen.

Bei einem Spaziergang durch die hübschen Gassen und Gänge rund um den Flensburger Hafen (der ausgeschilderte Rundwanderweg ‚Kapitänsweg/Kaptajnsturen’ sei hier empfohlen) bemerkt man den dänischen Charme dieser beschaulichen Viertel. Nicht nur wegen manch gehisstem Dannebrog (der dänischen Nationalflagge) oder weil man hier oft die dänische Sprache im Ohr hat.


Toosbüystraße


Westindienspeicher

Nordertor

Flensburg wurde immerhin 400 Jahre – bis 1864 – von der dänischen Krone regiert. Die Gesetze und Regeln für die Bürger der Stadt kamen aus Kopenhagen. Auch die Blüte des See- und Rumhandels war insbesondere Dänemarks Neutralität und den Handelsbeziehungen nach Dänisch-Westindien zu verdanken. Außerdem importierten die Kaufleute Flensburgs Waren für den dänischen Markt.

Diese Verbindungen nach Norden bewirkten in der Stadt eine loyale Stimmung gegenüber dem dänischen Staat und verbreitete Königstreue. Zwar dominierte schon seit dem 15. Jh. die deutsche Sprache in Flensburg, aber dies war für die Menschen damals kein Widerspruch. Erst im 19.Jh. fand eine verstärkte Annäherung an Holstein und Deutschland statt.

Nach der dänischen Niederlage im Krieg 1864 wurde die deutsch-dänische Grenze nach Norden an die Königsau verlegt. Flensburg gehörte nun zu Preußen und ab 1871 zum deutschen Reich. Bei der Volksabstimmung zur nationalen Zugehörigkeit im Jahre 1920 stimmten schließlich 75% der Flensburger für Deutschland. Die dänische Minderheit organisierte sich nun mit einem dichten Netz aus Vereinen und Institutionen, das nach 1945, als plötzlich viele Bürger lieber dänisch als deutsch sein wollten, noch engmaschiger wurde. Heute kann man etwas mehr als 20% von Flensburgs Bevölkerung der dänischen Minderheit zurechnen, die hier mit eigenen Schulen, Kindergärten, Kirchen, Vereinen, einer Bibliothek, einer Zeitung und vielem mehr vertreten ist. Man lebt in einem sehr fruchtbaren und harmonischen Miteinander mit der deutschen Mehrheit und bewahrt das Dänische, das Flensburg den besonderen Charakter verleiht: die Stadt der zwei Kulturen.


Oluf-Samson-Gang

Duborg Skolen - dänisches Gymnasium

Museumshafen


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