Højer Rudbøl

 

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 Vidå Sluse, Højer Sluse

 

Typisch Westküste. Am weiten Himmel treibt die fast stetig aus Westen wehende Brise die Wolken vor sich her. Die frische, salzige Nordseeluft belebt die Sinne. Massive Deiche scheinen sich über den ganzen Horizont zu erstrecken und ein imposantes Bauwerk beherrscht die Szene: hier, an der Wiedau-Schleuse (Vidå-Slusen), befindet sich der westliche Start- und Endpunkt der Grenzroute.

Dänemarks drittgrößter Wasserlauf, die Wiedau (Vidå), wird an der 1980 eingeweihten Schleuse durch den Nordseedeich ins Wattenmeer entlassen. Von der Deichkrone bietet sich ein herrlicher Ausblick bis nach Sylt und Rømø. Direkt neben der Schleuse, in den Ausstellungsräumen des Tøndermarskens Naturcenter, findet man viel Wissenswertes über das, was einem dieses Panorama bietet: Die Natur der Marschen und des Wattenmeeres sowie ein unermesslicher Vogelreichtum.



 

 

Abgesehen von den Deichen gibt es auf diesem Abschnitt der Grenzroute kaum Erhebungen, so dass man fast immer einen weiten Horizont vor Augen hat und nur selten auf Steigungen trifft.

 


Blick über Højer




 

Ausflugstipp (2,5 km):

 

Nur wenige Kilometer nördlich – ein Radweg führt direkt am Deich entlang – bietet sich übrigens ein völlig anderes, unerwartetes Bild: unvermittelt hört der Deich auf, der Küstensaum hebt sich und eine Kliffkante tritt hervor: Emmerlev Klev. Neben der tollen Aussicht ebenso überraschend für Ortsunkundige: Hier gibt es Strand!

 

 


 


 

 

Auf der Westseite der alten Højer-Schleuse von 1861 findet man den Grund, weshalb der neue deutsch-dänische Vordeich und die Wiedau-Schleuse ab 1977 errichtet wurden: Die Hochwassermarke von 1976 an der Sturmflutsäule. Man gewann zwar somit den Schutz vor dem Blanken Hans, aber verlor den freien Zugang zur See.

 

Die im Vergleich zu ihrem modernen Nachfolger romantisch anmutende Højer-Schleuse symbolisiert heute die Seefahrtsgeschichte Højers. Über den sicheren Nordseehafen hinter der Schleuse wurde einst beträchtlicher Seehandel getrieben. Auch ein besonderes Kapitel deutsch-dänischer Geschichte trug sich hier zu: bis zur Eröffnung des Hindenburgdammes 1927 wurde mit Dampfern der zur vorletzten Jahrhundertwende schon blühende Seebäderverkehr nach Sylt von hier abgewickelt. Von Hamburg fuhren damals bereits Sonderzüge bis zum Anleger an der Schleuse.

Als Nordschleswig 1920 dänisch wurde, verplombte man die Reisewaggons zwischen der deutschen Grenze und dem Bahnhof am Hafen in Højer, um den Passagieren eine doppelte Zollkontrolle zu ersparen.

  



 

Einen historischen Einblick in den harten Alltag der hiesigen Bewohner zu just dieser Zeit bietet ein kleines Freilichtmuseum östlich der Schleuse: die Ausstellung „Bådfolk ved Vidåen“ (Bootsleute an der Wiedau) zeigt Tagewerk und Leben der Binnenfischer an der Wiedau und dem Ruttebüller See.

 

 

 

Der kleine Hafen nebenan offenbart die heutige Nutzung des idyllischen Gewässers: Viele Freizeitskipper und Sportangler genießen die Abgeschiedenheit und Ruhe in dieser Ecke Dänemarks.

 

 





Højer, Siltoft

Højer (dt.: Hoyer) präsentiert sich dem radelnden Besucher als idyllisches Städtchen mit Dänemarks einzigem reetgedecktem Rathaus (Bild li.), hübschen Häuschen, vielen Kunsthandwerkern (wie beispielsweise die Kerzengießerei Højer Lys (Havnevej 2), wo Sie ihre Kunstfertigkeit versuchen können), sehenswerten alten Bauernhöfen und historischer Kirche (St. Peder). Eine kleine Rundfahrt durch die urigen Gassen sei hiermit empfohlen, sofern man sich durch Kopfsteinpflaster nicht abschrecken lässt.

Einst war Højer sehr deutsch geprägt, und man lebte u.a. von Fischerei, (See-) Handel, Handwerk, Industrie und auch Deichbau. Jede Menge Informationen über Deiche, Sturmfluten und die Marsch bekommt man im Mühlen- und Marschmuseum in der Højer Mølle, in der man auch das noch intakte Mahlwerk besichtigen kann. Von dem alles überragenden Galerieholländer, der höchsten Holz-Windmühle Nordeuropas von 1857, hat man eine herrliche Aussicht über die Stadt und die Umgebung.




 

Ein Schauspiel ganz besonderer Art, für das Højer bekannt ist, stellt sich hier jedes Jahr im Frühling und im Herbst zum Vogelzug ein, wenn abertausende Stare im Formationsflug den weiten Himmel über der Marsch mit wolkenartigen, sich blitzschnell verändernden kunstvollen Gebilden verzaubern. Allein für dieses imposante Phänomen der „Schwarzen Sonne“ reisen aus Kopenhagen die begeisterten Zuschauer in Sonderzügen an.




 

 

Ausflugstipp (9 km):

 

Falls man die Zeit für einen besonderen Abstecher erübrigen kann, sollte man sich die Ruine der Trøjborg bei Visby unbedingt anschauen. Das von einem doppelten Burggraben umgebene Renaissance-Schloss wurde 1580 erbaut, aber 1854 leider zum Großteil abgerissen. Die einsam und romantisch gelegene Ruine strahlt eine besondere Faszination aus.

 

 


 




Bei Siltoft bzw. Norddeich passiert man den westlichsten Grenzübergang der deutsch-dänischen Grenze. Dieser hat während seines Bestehens für viel Verdruss gesorgt, nicht nur bei den anfangs oft hier in die Einöde strafversetzten Grenzgendarmen. Der ursprünglich hier platzierte Schlagbaum bereitete insbesondere dem langjährigen direkten Anlieger, Bauer Broder P., Probleme. Sein Hof lag in Dänemark, aber die Hofausfahrt mündete auf eine bereits in Deutschland liegende Straße. Jede Fahrt von seinem Hof auf seine Felder führte ihn, nach wenigen Metern auf deutschem Boden, pflichtgemäß wieder durch den Schlagbaum, zurück nach Dänemark. Da der Schlagbaum immer verschlossen sein sollte und die Grenzgendarmen nicht immer vor Ort waren, hatten die Anwohner eigene Schlüssel. Bauer P. musste nun jedes Mal vom Trecker absteigen, den Schlagbaum aufschließen, hindurch fahren und wieder abschließen. Genervt von diesem Procedere fand er bald eine eigene Lösung: er schloss erst gar nicht ab, sondern fuhr mit dem Trecker dicht an den Schlagbaum heran, um ihn mit der Mistgabel zu öffnen und – wenn überhaupt – wieder zu senken. Beinahe wäre der Grenzübergang wegen des Streits um den offenen Schlagbaum komplett geschlossen worden, aber man fand eine gute Lösung: Bauer P. bekam eine Fernbedienung für einen automatisch schließenden Schlagbaum.

 


Rickelsbüller Koog, Rodenäs, Rosenkranz, Rudbøl

 

Von Siltoft / Norddeich lohnt sich ein Abstecher zur Naturinformation im Rickelsbüller Koog.

 

Hier, am Nordseedeich des Rickelsbüller Kooges, in der äußersten Nordwesteckes Deutschlands, beginnt der Nord-Ostsee-Radweg. Dieser Koog ist ein Eldorado für Vogelkundler und Naturliebhaber: Das über 500 ha große Naturschutzgebiet ist Brutgebiet vieler seltener Vogelarten und bietet mit einer ideal platzierten Beobachtungshütte ein eindrucksvolles Naturerlebnis.

Der Nord-Ostsee-Radweg folgt in östlicher Richtung bis Rosenkranz fast genau dem Grenzverlauf.

 




 

 

Bei „Dreisprung“ passiert man den Schauplatz einer besonderen Grenzgeschichte:

Hier, etwas nordöstlich von Rodenäs lebte in den 1930er Jahren Carsten A. „mitten auf der Grenze“: das Haus in Deutschland, ein Teil des Gartens bereits in Dänemark. A. war Kommunist und verhalf nach Hitlers Machtergreifung 1933 vielen Regimegegnern zur Flucht über die Grenze. Er ließ sie vorne zur Tür herein und wies Ihnen nachts hinten im Garten die Richtung zum nächsten Dorf in Dänemark. So brachten sie sich über Felder und Gräben hinweg in Sicherheit. Auch nach Kriegsende wurde sein Heim auf der Grenze nochmals „genutzt“: kein Geringerer als Gustav Heinemann, der spätere Bundespräsident, wählte diesen Weg zu einer Konferenz in Kopenhagen – in Ermangelung eines Passierscheins der britischen Besatzungsmacht.

 


Auf der Grenzroute passiert man in Rodenäs zwischen den Ortsteilen Neudorf und Oldorf eine sehenswerte spätromanische Kirche mit separatem Glockenhaus. Teile der Kirche stammen aus der 1615 untergegangenen Kirche zu Rickelsbüll. Die zerstörerische Macht der Sturmfluten prägt die Westküste bis heute. Der alte Wiedingharder Koog, in dem wir uns hier bewegen, nimmt dabei eine Sonderstellung ein: er war 1436 der erste mit einem Rundumdeich geschützte Koog an der Nordseeküste. Viel Wissenswertes über den Deichbau findet man im Deich- und Sielmuseum in Neukirchen.




Mit einem bunt gemischten Kulturprogramm sorgt das nahe gelegene Kulturzentrum Charlottenhof in Osterklanxbüll in diesen Gefilden für Abwechslung: die aktuellen Veranstaltungen erfahren Sie unter Tel. +49 4668 92100 oder unter www.dercharlottenhof.de.

 


Beim Grenzübergang Rudbøl/Rosenkranz stößt man auf Europas wohl merkwürdigsten Grenzverlauf. Die Grenze verläuft hier auf einer Länge von 130m in der Mitte der Straße. Die Anwohner östlich der Straße wohnen in Deutschland und ihre Nachbarn auf der anderen Straßenseite in Dänemark. Nicht wenige nutzen die mitten in der Straße eingelassenen Grenzsteine für ein Foto, auf dem sie mit einem Bein in Deutschland und mit dem anderen in Dänemark stehen.

Eine Rast am idyllischen Ruttebüller See sollte man einplanen.

 




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