Rudbøl ↔ Lydersholm

 

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Møgeltønder

 

Zwischen Rudbøl und Møgeltønder passiert man in der weiten, flachen Marschlandschaft mehrere auf Warften (künstliche Erhebungen) liegende, stolze Marschbauern-Gehöfte. Am südlichen Horizont erahnt man den alten Deich am Magisterkoog. Hier wohnte ab 1916 Emil Nolde. Er zog jedoch 1927 auf die südliche Seite der Grenze, weil nördlich der Grenze die amphibische Landschaft, die er so liebte, verschwand. Einen Großteil des Jahres waren hier weite Landstriche von der Wiedau überflutet. Die Entwässerung der Marsch nahm ihm das schöne Panorama. Sein Protest und sogar von ihm skizzierte Alternativen konnten das Projekt nicht verhindern. Leider wurde 1933 südlich der Grenze mit dem Bau des Schöpfwerkes Verlath (Rosenkranz, Aventofter Landstraße) ebenfalls die Entwässerung der Marschen vorangetrieben, so dass Nolde bald auch dort auf das geliebte Panorama verzichten musste.




Auf dem Nord-Ostsee-Radweg passiert man etwas südlich von Rosenkranz das Nolde Museum. Von 1927 bis 1937 ließ sich der Maler nach eigenen Entwürfen sein Wohn- und Atelierhaus auf der Warft Seebüll bauen. Der eigenwillige, geschlossene Bau aus rot-violettem Klinker ist umgeben von einem prächtigen Blumengarten und erhebt sich mächtig aus der tiefen, weiten Marschlandschaft. Hier lebte und arbeitete Nolde bis zu seinem Tod im Jahr 1956. Die ursprüngliche Atmosphäre ist gewahrt geblieben, und so gleicht der Gang durch den Bildersaal und die Kabinette mehr einem Atelierbesuch als der Besichtigung eines Museums. Die Ausstellung der Gemälde, Aquarelle, Graphik und kunsthandwerklichen Arbeiten wechselt jedes Jahr und gibt einen Überblick über das künstlerische Schaffen Noldes, der zu den führenden Expressionisten in der Kunst des 20. Jahrhunderts zählt (www.nolde-stiftung.de).

  



 

 

 

Westlich von Tønder liegt das pittoreske Dorf Møgeltønder mit der schönsten Dorfstraße Dänemarks und dem Schloss Schackenborg aus dem Jahre 1664. Das Schloss war über 300 Jahre in den Händen der Grafen zu Schack, bevor es 1993 an den jüngsten Sohn der dänischen Königin, Prinz Joachim, übergeben wurde, der nun hier residiert und sich als Landwirt betätigt. Im Sommer finden Führungen durch den Schlossgarten statt. Einen Besuch sollte man auch der etwa 800 Jahre alten St. Nikolaj-Kirche abstatten, in der man neben Dänemarks ältester Dorfkirchenorgel auch üppige Fresken und weiteres Inventar aus Renaissance und Mittelalter besichtigen kann.

  


Auf der Grenzroute kommt man durch zwei völlig unterschiedliche Bereiche des Dorfes Møgeltønder: im südlichen Teil liegt das eigentliche Bauerndorf mit den alten reetgedeckten Höfen der Freibauern. Manche der niedrigen Gebäude in friesischem Baustil stammen aus dem 17.Jh. Ganz anders präsentiert sich die breite, gepflasterte Schloßstraße in Møgeltønders Dorfmitte. Viele der in sehr homogenem Stil errichteten Häuser entlang der von Linden gesäumten Straße beherbergten ehemals das Personal des Gutshofes, der zum ursprünglich „Møgeltønderhus“ genannten Schloss gehörte. Zwischen den früher überwiegend deutsch gesinnten Städten Tønder und Højer war Møgeltønder eine dänische Enklave. Hier galten die Gesetze des Königreiches und nicht, wie rundherum, die des Herzogtums Schleswig. Während es in Tønder beispielsweise Zensur gab, herrschte hier Meinungsfreiheit.




 

Ausflugstipp (2 km):

Bei Gallehus, nördlich von Møgeltønder, liegt der Fundort der berühmten Goldhörner von Gallehus (Gallehus, Guldhornsvej). Zwei Gedenksteine (‚Guldhornsstenene’) erinnern dort an die ca. 3 kg schweren Hörner aus purem Gold, die 1639 und 1734 gefunden wurden. Die Datierung der Artefakte auf 400 n.Chr. ist vage, da die originalen Goldhörner 1802 aus der königlichen Kunstkammer gestohlen und eingeschmolzen wurden. Kopien kann man im Tønder Museum besichtigen. 

 





Tønder

 

Tønder (dt.: Tondern), die ‚Hauptstadt’ der Marsch, ist seit jeher ein geschäftiges Handelsstädtchen. Die Stadtrechte erhielt es bereits im Jahre 1243. Im Mittelalter und während der Renaissance hatte Tønder als Hafen und Umschlagplatz für Ochsen und Pferde große Bedeutung. Wegen zunehmender Versandung musste der Hafen jedoch aufgegeben werden. Im 18.Jh. gelangte die Stadt durch Klöppelspitzen zu weltweiter Berühmtheit. Über 12 000 Frauen und Mädchen waren in und um Tønder mit diesem Textilhandwerk beschäftigt, und die vielen reichen Händler ließen Patrizierhäuser bauen, die man heute im Stadtzentrum bewundern kann. Alle drei Jahre findet in Tønder ein Klöppelfestival mit bis zu 700 Teilnehmerinnen statt. Weithin bekannt ist Tønder auch für sein Folk- und Jazz-Festival – dem größten in Skandinavien – und für die attraktiven Museen.




Das kulturhistorische ‚Tønder Museum’ (Kongevej 51-55) zeigt u.a. eine große Sammlung von Tischsilber aus hiesigen Werkstätten, Klöppelspitzen, Möbel und holländische Fliesen, während das angegliederte ‚Sønderjyllands Kunstmuseum’ das Hauptmuseum für Kunst im Landesteil Sønderjylland ist. ‚Drøhses Hus’ (Storegade 14) in der Fußgängerzone beherbergt eine Sonderabteilung des Tønder Museums mit Sammlungen von Klöppelspitzen, Möbeln und Fayencen.

 

Nördlich von Tønder erwartet Sie im Zeppelinmuseum eine ungewöhnliche Ausstellung: Funde, Fotos und Rekonstruktionen vermitteln einen Eindruck des größten deutschen Marineluftschiffhafens in Nordeuropa, der sich hier von 1914-1920 befand. Auch eine Sammlung über die Zeit der dänischen Garnison, die hier von 1920 bis 1936 beheimatet war, ist zu besichtigen (Tønder, Gasværkvej 1, nur Sa. u. So.).




Zeppelin Museum

Tønder erscheint dem Besucher heute als unzweifelhaft dänische Handelsstadt – obwohl die Stadtgeschichte sehr deutsch geprägt war, mit starken kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen nach Süden. Die Schul- und Kirchensprache war fast durchgängig Deutsch und bei der Volksabstimmung zur nationalen Zugehörigkeit im Jahre 1920 stimmten hier knapp 75% für Deutschland. Entsprechend groß war die Enttäuschung, dass die Grenze dann doch südlich von Tønder verlief. Bis zu Hitlers Machtergreifung führten Deutsche und Dänen trotzdem eine friedliche Koexistenz. Während der Nazizeit verschärfte sich der Umgangston und auch in den Nachkriegsjahren war das Verhältnis problematisch. In den 50er Jahren entspannte sich die Situation und das deutsche kulturelle Leben bekam wieder seinen Platz in Tønder. In der Stadt findet man heute auch deutsche Institutionen wie Schule, Kindergarten, Bücherei und eine deutsche Kirchengemeinde sowie mehrere deutsche Vereine. Das Kriegsbeil des Grenzkampfes ist begraben und das Zusammenleben der beiden Nationalitäten gestaltet sich vorbildlich.

 



 

 

Ubjerg

 

Zwischen Aventoft und Tønder erhebt sich ein in dieser flachen Landschaft fast monumental wirkendes, hübsches Dörfchen: Ubjerg. Neben Dänemarks ältestem Pfarrhof von 1675 steht eine sehenswerte romanische Kirche aus dem 12.Jh. Die Deckengemälde von 1747 und das Kruzifix von 1525 sind unbedingt einen Blick wert.




 

 

 

Nicht weniger beeindruckend ist der westlich von Ubjerg gelegene Hof Bjerremark, ein imposanter Marschenhof, der 1842 bzw. 1872 (Hauptflügel) erbaut wurde und heute ein Konferenz- und Seminarzentrum des nordschleswigschen Schuhfabrikanten ecco beherbergt.

 



 

Aventoft

 

In Aventoft finden sich heute kaum noch Relikte der Grenzkontrollen – wie fast überall entlang der 69 km langen Landesgrenze. Aber immerhin steht hier noch das alte Zollamt, denn dessen Errichtung gestaltete sich nach der Grenzziehung 1920 schwer genug. Das Grundstück für das Gebäude wollte der Besitzer, ein Bauer aus dem Dorf, damals partout nicht verkaufen. Also strengte man ein Enteignungsverfahren an. In diesem legte der Anwalt des Bauern das gutachterlich untermauerte Problem dar, dass der Bauer seinen Misthaufen nicht mehr benutzen könne, wenn das geforderte Grundstück an den Zoll ginge. Der nötige Wendeplatz für sein Pferdefuhrwerk zum Heranfahren an den Misthaufen sei dann nämlich perdu. Daraufhin wurde ein „Probemistfahren“ anberaumt, durchzuführen vom Zollinspektor, bezeugt vom Gemeindevorsteher. Der eigens dafür erstellte Grundstücksplan gab die mit leerem und beladenem Dungwagen zu absolvierenden Probefahrten farbig exakt vor. Leider kam es nicht mehr zum Praxistest, da rund um den Misthaufen bereits das Baumaterial für das neue Zollgebäude lagerte. Schließlich beendete man das langwierige Verfahren mit einem Vergleich und konnte 1924 das Zollamt errichten.


 

Wenn man durch Aventoft radelt, mag man es kaum glauben, aber das Dorf war ursprünglich ein Fischerdorf, das bis 1928 noch inmitten einer weiten Seenlandschaft lag. Diese verschwand mit der dann einsetzenden Entwässerung der Marschen. Bei einem Rundflug mit einem Segelflugzeug vom nahe gelegenen Segelflugplatz (Segelflugplatz Aventoft, Westerunterland, Tel. +49 4668 590) kann man sich die Seen rund um das Dorf noch gut vorstellen. Die Fischer bekamen aber bereits 1920 Probleme, denn mit der Grenzziehung verloren sie ihren Absatzmarkt in Tønder.

Heute prägen in Aventoft neben der im 13.Jh. erbauten Kirche und dem sehenswerten Dorfkern mit schönen Reetdachhäusern vor allem die Geschäfte des Grenzhandels das Bild des Dorfes.






Süderlügum

 

Süderlügum zählt neben Aventoft und Harrislee zu den am stärksten vom Grenzhandel geprägten Gemeinden. Die Grenznähe erlaubt Sonderregelungen bezüglich der Ladenöffnungszeiten, so dass sich auch Kunden von weit her zum sonntäglichen Einkauf nach Süderlügum aufmachen. Wegen der verkehrsgünstigen Lage an der Trasse des westlichen Ochsenweges war Süderlügum aber schon in alter Zeit ein begehrter Handelsplatz. Der bereits 1177 als ‚Lügum’ erwähnte Ort liegt zwischen Marsch und Geest, wobei die Marsch auf ihren fetten Weiden für einträgliche Landwirtschaft sorgte, die Geest aber echte Probleme in Süderlügum bereitete: man hatte hier mit Sandstürmen zu kämpfen! Die östlich von Süderlügum direkt zwischen Nord-Ostsee-Radweg und Grenzroute gelegenen Binnendünen vermitteln noch einen deutlichen Eindruck von den Sandmassen, die bei starkem Wind verweht wurden. Heute findet man in diesem interessanten Naturschutzgebiet eine Aussichtsplattform und schöne Spazierwege durch die Dünenlandschaft.





Ellhöft

 

Östlich der Süderlügumer Binnendünen durchquert man auf Grenzroute und Nord-Ostsee-Radweg den Süderlügumer Forst. Erst mit der Anpflanzung dieses Waldes zu Beginn des letzten Jahrhunderts konnte man die starken Sandverwehungen in diesem Bereich der Geest verhindern. In anderen Bereichen des schleswigschen Geestrückens kommt es auch heutzutage noch zu ‚Sandstürmen’ auf Ackerflächen, die nicht durch Knicks (Wallhecken) vor Winderosion geschützt sind. 

Zwischen Ellhöft und Lydersholm bewegt man sich auf der Grenzroute durch ein uriges Wegestück. Man fühlt sich in dieser Abgeschiedenheit tatsächlich wie im Niemandsland. Am Horizont drehen sich in dem unendlich weiten Himmel ein paar moderne Windmühlen, von denen man einen tollen Ausblick hat, wenn man sie denn beim ‚Windmillclimbing’  (Windpark Ellhöft, Tel. +49 4663 7299) bestiegen hat, und man beginnt, die absolute Stille zu hören. Nur der Kiesweg knirscht unter den Reifen.



Den Grenzübergang Vindtved passiert man fast unbemerkt. Keines der kleinen Grenzhäuschen, in denen sich früher die Gendarmen mit den Anwohnern zum Skat getroffen haben, ist übrig geblieben. Man hatte hier ein gutes Verhältnis zu den Grenzern und half sich gegenseitig. Schließlich wohnten sie meist mit im Dorf Ellhöft und arbeiteten oft sogar mit ihren Familien bei der Ernte auf den Feldern. So drückten Zöllner mal ein Auge zu, und Anwohner meldeten „dunkle Gestalten“ in Grenznähe.





 

Ausflugstipp (1,5 km):

 

Für diejenigen unter den Grenzrouten-Radwanderern, die Schlossruinen interessant oder romantisch finden, sei hier ein Plätzchen nördlich von Lydersholm empfohlen: das Fundament des um 1570 erbauten Jagdschlosses von Herzog Hans d. Älteren (Grøngård  Slotsruin, Lydersholmvej 3) liegt hinter dem imposanten Bauernhof ‚Grøngård’ versteckt im Gras. Vorsicht: ebenso leicht zu übersehen ist der immer noch Wasser führende Burggraben!

 




Ausflugstipp (8,5 km) :

 

Wenn man sich schon für den Schlenker nach Norden entschieden hat, so sei Kulturinteressierten hier ein weiterer Tipp verraten: Am Nordufer der Grønå, zwischen Jejsing und Bylderup-Bov, liegt eine Ortschaft, die einen weltberühmten Maler hervorgebracht und ihm den Namen geliehen hat: Nolde. Hier wurde am 7. August 1867 Hans Emil Hansen geboren. 1904 nahm er den Nachnamen Nolde an. 1943 brannte der Bauernhof seiner Kindheit nieder. Eine Gedenktafel in Emil Noldes Geburtsort liefert weitere Informationen über die Stätte, die die ersten Lebensjahre des Expressionisten prägte.




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