Weesby Padborg

 

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Medelby, Jardelund

 

Medelby, am Nord-Ostsee-Radweg nur unweit südlich der Grenzroute gelegen, hat neben der aus dem 12.Jh. stammenden St. Matthäus Kirche (Norderfeldweg), die im Innern mit sehenswerten Arbeiten der verschiedensten Epochen aufwarten kann, auch die im Jahre 1858 gebaute Holländerwindmühle Vanessa (Achter de Möhl) als Ausflugsziel zu bieten. Diese ist zur Wohnmühle umgebaut und nur bei gelegentlichen Ausstellungen und Konzerten zugänglich.





 

 

Zwischen den beschaulichen Dörfern Weesby und Jardelund liegt knapp dreihundert Meter nördlich der Grenzroute das Naturschutzgebiet ‚Böxlunder Eichenkratt’. Zwar muss man ein kurzes Stück bergan radeln, wird aber mit einem besonderen Erlebnis belohnt: zur Linken fällt der Blick überraschend tief in eine ehemalige Kieskuhle, an deren Boden, in bewaldete Hänge eingegraben, ein Gewässer ganz eigentümlich schimmert. Ein Rastplatz mit Naturinformation lädt zum Verweilen ein an diesem Ort, der etwas der Welt entrückt zu sein scheint.


 

 

 

In Jardelund gibt es für kulturinteressierte Radwanderer die Möglichkeit, im Dorfmuseum ‚Christian Lassen’s Minde Museum’ (Kupfermühlenweg 4, nur Do. 9-12 Uhr oder nach Absprache: Tel. +49 4605 188759) einen authentischen Einblick in das Landleben der vergangenen 100 Jahre zu bekommen. Das Kuriose daran: die Ausstellung ist nicht etwa zusammen getragen, sondern gehörte komplett zum Leben des letzten Bewohners des alten Dorfkruges. Sein gesamter Hausstand – das Erbe von Generationen – zeugt hier im musealen Originalzustand vom Leben anno dazumal.




Zwischen den Waldgebieten von Jardelund und Frøslev liegt unweit der Grenzroute das 527 ha große, grenzüberschreitende Naturschutzgebiet Frøslev-Jardelunder Moor. Auf beiden Seiten der Grenze wird dazu Naturinformation präsentiert. Auf deutscher Seite gibt es außerdem einen 2,5 km langen Erlebnispfad durch das Moor, mit Schautafeln zu Pflanzen und Tieren, Entstehung und Ökologie des Moores. Man gelangt zur Infohütte, indem man zwischen dem Grenzübergang „Fehle/Sofiedal“ und Jardelund dem kleinen Radschild mit der Nr.4 in östlicher Richtung folgt. Zur dänischen Naturinformation führt die Lokalroute 18, nach Süden abzweigend vom Nord-Ostsee-Radweg bei Pluskær. Hier gibt es im Moor einen Wanderpfad zum Fundort des berühmten Frøslev-Schreins, der mit einem Eichenobelisk markiert ist. Der Schrein wurde 1872 beim Torfstechen gefunden, und aus dem damals deutschen Nordschleswig nach Dänemark geschmuggelt. Eine Kopie des vergoldeten Reliquienschreins aus dem 10.Jh. wurde dem dänischen Kronprinzenpaar als Sønderjyllands Volksgabe zum Hochzeitsgeschenk gemacht.


Sofiedal, Frøslev Plantage

 

 

 

In Sofiedal stehen noch viele Höfe der Kolonisten, die ab 1761 unter dem dänischen König Friedrich V. aus Württemberg, Hessen und der Pfalz zur Kulti­vierung in diese damals dünn besiedelte Ödnis gelockt wurden. Ursprünglich war hier alles nur Heide- und Moorlandschaft - und Richtung Westen erstreckt sich noch heute die Weite der Geest, die zwar kaum kulturelle Sehenswürdigkeiten bietet, dafür aber die Erfahrung der „absoluten Ruhe“. Hier bekommt man wirklich einen Eindruck von der Abgeschiedenheit des Grenzlandes.





 

 

Ausflugstipp (6,5 km):

 

Falls man Interesse an geschichtsträchtigen Wegen und urigen Brücken hat, so findet man etwas nördlich der Grenzroute, auf der Radroute des Hærvej/Ochsenweg, die man in Fårhus kreuzt, ein originales Trassenstück dieser seit der Bronzezeit bestehenden Verbindung zwischen dem dänischen Viborg und Wedel an der Elbe. Auch eine nahe gelegene Granitquaderbrücke (‚Gejlå Bro’) von 1818 ist den kleinen Ausflug wert.

 

 



 

In der Frøslev Plantage taucht auf der Fahrt durch den idyllischen Wald plötzlich ein ernst wirkendes Eingangsportal auf – und dahinter ein nicht minder ernst wirkendes, weitläufiges Lager rot gestrichener Baracken. Dänen ist dieser Ort und seine Geschichte meist gut bekannt, während deutsche Radler nicht selten etwas irritiert davor stehen bleiben.

Die Grenzroute führt mitten durch das beeindruckende ‚Frösleelager’ (Frøslevlejren), das im Jahre 1944 als deutsches Polizeigefangenenlager unter der Leitung der deutschen Sicherheitspolizei in Dänemark errichtet wurde. Insgesamt passierten vom August 1944 bis zur Befreiung am 5. Mai 1945 rund 12.000 Häftlinge das Lager.



Im Gegensatz zu anderen deutschen Konzentrationslagern kamen in diesem Lager Gewalt, Folter, Erniedrigungen und Tötungen im Großen und Ganzen nicht vor. Jedoch wurden auch von hier Deportationen in deutsche KZs durchgeführt. Später diente das Lager unter dem Namen „Faarhus-Lager“ als Internierungs- und Straflager für Kollaborateure der deutschen Besatzer.

Neben dem ‚Frøslevlejrens Museum’, das seit 1969 die Geschichte des Lagers eingehend vermittelt, befinden sich heute auf dem Gelände dieser nationalen Gedenkstätte u.a. auch interessante Museumsausstellungen von Amnesty International, der UN, der dänischen Heimwehr, dem dänischen Zivilschutz sowie eine Naturausstellung der dänischen Umweltbehörde.





Vilmkær, Handewitt, Padborg

 

Südlich der Frøslev Plantage gleitet der Blick über weite Felder – und fast unmerklich überquert man wieder einen Grenzübergang. In Vilmkær steht heute nur noch der Briefkasten des dänischen Zolls.

Auch die Grenzüberwachung wird man hier vergeblich suchen: seit dem Inkrafttreten des Schengener Abkommens am 25.März 2001 konzentriert sich diese auf das Hinterland.

Nach der Grenzziehung 1920 patrouillierte man noch zu Fuß entlang der Grenze. 1955 wurde die Grenzüberwachung mobiler. Man führte erst Motorrad- und später Autostreifen ein. Ab 1969 wurde auch das Hinterland systematisch überwacht.
Eine echte Revolution war die Einführung der Kameraüber­wachung der Grenze. Während der deutsche Bundesgrenzschutz die „grüne Grenze“ nachts mit Wärmebildkameras an bestimmten Punkten absuchte, installierte die dänische Polizei an den kleinen Grenzübergängen Bewegungsmelder und Infrarotkameras. So auch hier.

Kontrolliert wurde aber in Vilmkær vor allem ein Bauer, der 1920 bei der Festlegung der Grenze auf persönlichen Antrag zu Dänemark gezählt wurde. Leider wurde die Straße vor seinem Haus deutsch – und er musste nun bei jeder Fahrt von seinem Hof den Grenzübergang benutzen.

Da hier aber kein Schlagbaum stand, warteten die Grenzer umso gespannter auf Schmuggler – und kontrollierten den Bauern und seine Besucher bei jeder Gelegenheit.


 

 

Ausflugstipp (2,5 km):

 

Bei der weithin sichtbaren Kirche zu Handewitt präsentiert das hiesige Dorfmuseum (Alter Kirchenweg 4, nur 1.+ 3. Do. im Monat oder nach Absprache, Tel. +49 4608 970694) eine Ausstellung zur Haus- und Landwirtschaft, die Dorfgeschichte sowie Ausschnitte aus dem dörflichen Leben.

 





 

 

Am Grenzrouten-Rastplatz zwischen Handewitt und Harrislee kann man im angrenzenden ‚Naturerlebnisraum Stiftungsland Schäferhaus’ Natur und Archäologie erleben: Erlebnispunkte, Naturinformation, rekonstruierte Hügelgräber, seltene Pflanzen und urige Tiere im 300 ha großen Naturschutzgebiet bieten eine interessante Abwechslung. Auch ein Stück Originaltrasse des Ochsenweges, auf dem im 17.Jh. bis zu 40.000 Ochsen Richtung Süden getrieben wurden, findet man hier.


 

 

Während man auf dem Nord-Ostsee-Radweg bei Frøslev kurzzeitig ein Meer von Speditionshallen im Norden erblicken kann, bekommt man auf der Grenzroute nichts davon mit, dass in Padborg das größte Transport- und Logistikzentrum Nordeuropas mit allein 3000 Angestellten im Transportgewerbe ansässig ist. Nach der Abstimmung 1920 wäre Padborg beinahe zu Deutschland gekommen – erst im Nachhinein wurde hier der Grenzverlauf nach Süden verlegt. Nun passieren jeden Tag 4.500 Lastwagen den Ort, der von seiner Grenzlage enorm profitiert hat.





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