Padborg Flensburg

 

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Padborg, Bov

 

Das lokalhistorische Museum von Bov (Padborg, Bovvej 2, montags geschlossen) befindet sich im reetgedeckten Hof „Oldemorstoft“, der alten Hardesvogtei von 1472. Hier erfährt man sehr viel über die Grenze, die Grenzgendarmen und über das Leben an der Grenze sowie über die Schlacht von Bov: hier begann 1848 die erste Schlacht der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (dän.: Treårskrigen), wo sich 10.000 dänische Soldaten und 6.000 schleswig-holsteinische „Aufrührer“ gegenüberstanden. Wenn man genau hinschaut, findet man nahe dem Gedenkstein im Ortszentum von Bov noch Kanonenkugeln in einer Gartenmauer.





 

Während in diesem Bereich der Nord-Ostsee-Radweg nördlich der Grenze den leichteren Streckenverlauf bereithält, müssen sich entlang der Grenzroute untrainierte Radler auf anstrengende Steigungen rund um das idyllisch gelegene Niehuus einstellen. Die Grenzroute führt zwischen Bov und Kruså mitten durch das eiszeitliche Tunneltal der Krusau. Der herrliche Blick in das Tal ist jedoch alle Mühe wert. Hier bekommt man einen Eindruck, welche Kraft Schmelzwasser hat. In der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren lag hier ein Gletschertor der bis zu 3 km hohen Eismassen. Heute findet man hier einen Naturerlebnisraum und verschiedene Wanderwege.


 

Der Name Niehuus weist auf die Turmhügelburg Nygenhus hin, die hier einst am Wege lag und von der noch Relikte zeugen. Um 1345 als Zollstelle am Ochsenweg/Heerweg nach Flensburg erbaut, verfiel sie nach 1431, als der Dänenkönig Erich von Pommern die Stadt Flensburg an Holstein verlor. Auch Teile des historischen Ochsenweges, der hier ‚Der Krumme Weg’ genannt wird, sind als Pflasterung aus dem 17. Jh. erhalten. 




 

 

Von der Grenzziehung 1920 war der heute zur Gemeinde Harrislee gehörende Ortsteil Niehuus besonders betroffen. Man verlor seine Kirche. Der Kirchenweg führte bis 1920 durch das Tunneltal zur Kirche von Bov, die am nördlichen Horizont die Baumwipfel überragt. Mit der Grenzziehung lagen auf dem jetzigen Gemeindegebiet Harrislees nicht weniger als sieben Grenzübergänge.

Harrislee wusste von dieser Grenzlage jedoch ebenso zu profitieren wie das benachbarte Padborg. Man holte bereits vor dem Eintritt Dänemarks in die EG (1973) skandinavische Unternehmen in die Gemeinde und legte damit den Grundstein für ein rasantes Wachstum von Industrie, Gewerbe und Einwohnerzahl.


Kruså, Kupfermühle, Wassersleben

 

 

 

In Kruså haben geschichtlich Interessierte, denen der Name Graf Folke Bernadotte ein Begriff ist, einen symbolträchtigen Anlaufpunkt: seine Statue und ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Rettung von dänischen und norwegischen KZ-Gefangenen im April 1945. Dort, wo die Statue steht, traf am 20. und 21. April 1945 eine Armada von 200 weißen Bussen mit 4.000 Dänen und Norwegern ein, die geradewegs aus dem KZ Neuengamme kamen. Dies war der Höhepunkt der Bemühungen um die Evakuierung der skandinavischen KZ- Gefangenen seit Dezember 1944. Neben dem dänischen Sozial- und Außenministerium war insbesondere der Vizepräsident des schwedischen Roten Kreuzes, Graf Folke Bernadotte, der verdienstvolle Hauptakteur in diesen Bemühungen. Kruså und Padborg wurden für mehr als 6000 Gerettete die erste Zwischenstation auf dem Weg in die Freiheit.




 

 

Im Harrisleer Ortsteil Kupfermühle fährt man auf der Grenzroute mitten durch ein Industriemuseum: die alte Kupfermühle wurde im Jahre 1612 vom dänischen König Christian IV. gegründet. Die Dächer vieler dänischer Königsschlösser wurden mit Kupferblechen aus den ehemaligen „Krusau´er Kupfer- und Messingwerken“ gedeckt. Das hier beheimatete Museum zur Geschichte der Kupfermühle fasziniert mit vielen Exponaten in den denkmalgeschützen Fabrik- und Wohnstätten. (Harrislee, Zur Kupfermühle 14, Di. 14:30- 17 Uhr und nach Vereinb.: Tel. +49 461 7935.)


 

Bei Wassersleben sollte man einen kurzen Abstecher zum Grenzübergang Schusterkate einplanen. Die Grenzpassage auf der idyllisch gelegenen Holzbrücke über die Krusau war bis 2001 nur im Sommer erlaubt und ermöglichte den Flensburger Bürgern den Besuch ihres in Dänemark gelegenen Waldes. Nun ist die Brücke ganzjährig geöffnet, aber der Wald nicht mehr in deutschem Besitz. Die Überquerung der Brücke für einen Spaziergang im Kollunder Wald ist dennoch ein beliebtes Sommervergnügen der Flensburger geblieben.



 

In Wassersleben befindet sich der östliche Start- und Endpunkt des Nord-Ostsee-Radweges. Nach einem Nickerchen am Strand und einem erfrischenden Bad in der Flensburger Förde kann man sich hier in einem parkähnlichen Gelände auch auf Deutschlands größter Minigolfanlage versuchen.




 

 

Zwischen den Badestränden Wassersleben und Ostseebad verläuft die Grenzroute direkt am Fördeufer entlang. Auf der einen Seite drängt hier ein weitläufiges Waldgebiet an zerklüfteten Steilhängen bis an den Wegesrand, zur anderen Seite öffnet sich die breite Innenförde mit einem herrlichen Panorama, das zum Verweilen und Träumen einlädt. Die vielen Segelboote lassen erahnen, dass hier eines der schönsten Segelreviere der Ostsee beginnt.




Flensburg

 

In Flensburg beginnt und endet die Grenzroute an einer wunderschönen Stelle, die man nicht verfehlen kann: die Hafenspitze.

Die Stadt Flensburg ist vielen Besuchern schon vorher ein Begriff – aus verschiedenen Gründen: Deutsche kennen vor allem das Kraftfahrtbundesamt, Dänen ist es oft als dicht an der Grenze liegendes Einkaufsziel bekannt. In beiden Nationen ist auch die erfolgreiche Bundesliga-Handballmannschaft der SG-Flensburg-Handewitt ein Begriff. Das aber inzwischen sogar Kreuzfahrtschiffe den Flensburger Hafen anlaufen, kommt nicht von ungefähr: Die Stadt hat Flair!


 

Wer das erste Mal hierher kommt, ist überrascht von dem faszinierenden Hafenpanorama mit seinen steilen Fördehängen. Die maritime Atmosphäre und historische Bausubstanz der traditionsreichen Seehandelsstadt, die bereits 1284 das Stadtrecht erhielt, setzt sich entlang der beschaulichen „Shoppingmeile“ im Herzen der Stadt fort: man entdeckt hinter den hübschen Fassaden immer wieder malerische Kaufmannshöfe mit alten Speichern. Diese stammen zum Teil aus den Zeiten der ‚Westindienfahrt’: Flensburgs Flotte zählte einst fast 300 Schiffe, mit denen Ende des 18. Jahrhunderts aus der Karibik Rohrzucker, Tabak und Rum als Halbfabrikate nach Flensburg kamen, um sie hier weiterzuverarbeiten. Diesen Teil der (Rum-)Stadtgeschichte erlebt man im Schiffahrtsmuseum am Museumshafen, wo auch Museumsschiffe zu bestaunen sind.



Nordermarkt
Schiffahrtsmuseum
Kaufmannshof


Städtisches Museum

Phänomenta

 

Hoch über der Stadt auf dem Museumsberg thront das Städtische Museum, das in zwei repräsentativen Museumsgebäuden auf 3000 qm Ausstellungsfläche einen umfassenden Einblick in die Kunst- und Kulturgeschichte im Landesteil Schleswig vom 13. bis zum 20. Jahrhundert gibt.

Neben Flensburgs sehenswertem Wahrzeichen, dem Nordertor von 1595, bietet das spannende Experimentiermuseum Phänomenta eine interaktive Präsentation naturwissenschaftlicher und technischer Phänomene - ein Umwelterlebnis mit allen Sinnen.

Bei einem Spaziergang durch die hübschen Gassen und Gänge rund um den Flensburger Hafen (der ausgeschilderte Rundwanderweg ‚Kapitänsweg/Kaptajnsturen’ sei hier empfohlen) bemerkt man den dänischen Charme dieser beschaulichen Viertel. Nicht nur wegen manch gehisstem Dannebrog (der dänischen Nationalflagge) oder weil man hier oft die dänische Sprache im Ohr hat.


Toosbüystraße


Westindienspeicher

Nordertor

Flensburg wurde immerhin 400 Jahre – bis 1864 – von der dänischen Krone regiert. Die Gesetze und Regeln für die Bürger der Stadt kamen aus Kopenhagen. Auch die Blüte des See- und Rumhandels war insbesondere Dänemarks Neutralität und den Handelsbeziehungen nach Dänisch-Westindien zu verdanken. Außerdem importierten die Kaufleute Flensburgs Waren für den dänischen Markt.

Diese Verbindungen nach Norden bewirkten in der Stadt eine loyale Stimmung gegenüber dem dänischen Staat und verbreitete Königstreue. Zwar dominierte schon seit dem 15. Jh. die deutsche Sprache in Flensburg, aber dies war für die Menschen damals kein Widerspruch. Erst im 19.Jh. fand eine verstärkte Annäherung an Holstein und Deutschland statt.

Nach der dänischen Niederlage im Krieg 1864 wurde die deutsch-dänische Grenze nach Norden an die Königsau verlegt. Flensburg gehörte nun zu Preußen und ab 1871 zum deutschen Reich. Bei der Volksabstimmung zur nationalen Zugehörigkeit im Jahre 1920 stimmten schließlich 75% der Flensburger für Deutschland. Die dänische Minderheit organisierte sich nun mit einem dichten Netz aus Vereinen und Institutionen, das nach 1945, als plötzlich viele Bürger lieber dänisch als deutsch sein wollten, noch engmaschiger wurde. Heute kann man etwas mehr als 20% von Flensburgs Bevölkerung der dänischen Minderheit zurechnen, die hier mit eigenen Schulen, Kindergärten, Kirchen, Vereinen, einer Bibliothek, einer Zeitung und vielem mehr vertreten ist. Man lebt in einem sehr fruchtbaren und harmonischen Miteinander mit der deutschen Mehrheit und bewahrt das Dänische, das Flensburg den besonderen Charakter verleiht: die Stadt der zwei Kulturen.


Oluf-Samson-Gang

Duborg Skolen - dänisches Gymnasium

Museumshafen


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